Teamentwicklung in Zeiten von Corona

Arbeiten im Homeoffice ist zum „Normalzustand“ geworden

Durch Corona bedingt ist die Arbeit im Homeoffice für viele zum „Normalzustand“ geworden. Neben den vielen genannten Vorteilen der Arbeit im Homeoffice, werden oftmals  die fehlenden sozialen Kontakte als Nachteil aufgeführt. Lunchtermine, Meetings oder Workshops, in denen man mit  Kolleg*innen oder als Team  zusammen kam, finden aufgrund der aktuellen Kontaktbeschränkungen durch Corona nicht  statt.

Welche langfristigen Auswirkungen dies auf die Arbeit des Teams hat, ist noch offen. Wir Menschen sind soziale Wesen und auf den Austausch mit anderen Menschen angewiesen. Wenn eine vertrauensvolle Atmosphäre herrscht, lernen wir besser und fühlen wir uns wohler, dies zeigt eine Vielzahl von Studien. Der persönlichere Austausch mit anderen generiert Vertrauen und ein Zugehörigkeitsgefühl zu einem größeren Ganzen. Hier haben vor der Pandemie Workshops, Meetings oder auch das gemeinsame Mittagessen, einen wertvollen Beitrag für eine positive Entwicklung im Team geleistet.

Normal ist nicht optimal

Das dies in den letzten Monaten nicht mehr möglich war, wurde wahrscheinlich nicht als größeres Problem wahrgenommen. Es gab genügend neue und große Herausforderungen, die gemeinsam bewältigt werden mussten, um den Geschäftsbetrieb irgendwie aufrecht zu erhalten oder anzupassen. Der gemeinsame Fokus und die Einsicht, dass jetzt andere Maßnahmen eine höhere Priorität haben, war gegeben.

Jetzt, wo eine gewisse Gewöhnung an die neue Situation eingetreten ist, treten zurückgestellte oder neue Bedürfnisse wieder ins Bewusstsein. Da ist der Wunsch sich wieder mal mit den Kolleg*innen zu treffen. Oder die Spannungen nehmen aufgrund der anhaltenden Unsicherheit und der weiterhin hohen Belastung zu. Der für das Wohlbefinden und das Zugehörigkeitsfühl so wichtige persönliche Austausch fehlt. Dies kann zusätzlich die Arbeit im Team belasten.

Spannungen im Team oder zwischen einzelnen Mitarbeiter*innen, die bereits vor Beginn der Pandemie vorhanden waren, „gären“ vor sich hin oder verstärken sich, da ein klärender Austausch im Team nicht möglich ist. Die Gefahr einer Eskalation des Konfliktes oder der emotionalen Rückzug  ins Homeoffice kann die Folge sein.

Was kann man jetzt tun, um diese Situation zu verbessern, bevor die Distanz zu einem größeren Problem wird? Oftmals sind es schon kleine Maßnahmen und Routinen, die hier eine Verbesserung der Stimmung im Team bewirken können.

Folgende, einfachen Formate können die Zusammenarbeit im Team unterstützen:

1. Gemeinsamer Workshop in kleinen Teams mit anschließender Video Konferenz

In vielen Unternehmen ist es möglich, dass man sich in vorher definierten Subteams trifft, z.B. wird ein bestehendes Team in Team „Grün“ und Team „Orange“ aufgeteilt. Innerhalb dieser Teams ist ein persönliches Treffen oft erlaubt oder sogar gewünscht. Durch identische Workshops zur gleichen Fragestellung in den Subteams können dann Ergebnisse erarbeitet und  anschließend in einer Videokonferenz vorgestellt und mit allen diskutiert werden.  Dies hat zusätzlich den Vorteil, dass man zwei unterschiedliche Perspektiven auf die gleiche Fragestellung bekommt.
Denkbar ist auch, dass man  die Zusammensetzung der Subteams flexibel gestaltet, d.h. hier einzelne Mitarbeiter für einen gewissen Zeitraum rotieren lässt. Damit ist besserer Austausch gegeben,  ein evtl. höheres Risiko einer gegenseitigen Infektion aber immer noch gut eingrenzbar.

2. Walk the Talk

Wenn ein Treffen in der Unternehmung noch nicht möglich ist, vielleicht ist es unter Einhaltung der Abstandregeln in der freien Natur möglich? Z.B. ein Spaziergang im Wald, mit vorher definierten „Buddy-Buddy“ Konstellationen. Hierzu bilden zwei oder drei Mitarbeiter ein Team mit intensivem Austausch, der Kontakt zu den anderen Teammitgliedern findet unter den üblichen Regeln statt. Dies reduziert die Anzahl der möglichen Kontaktpersonen und damit das gegenseitige Infektionsrisiko, schafft aber die Möglichkeit des intensiven Austauschs mit der lang vermissten Kolleg*in.  Die Bewegung in der Natur hat noch weitere Vorteile. Das Immunsystem wird angeregt und über die Muskeltätigkeit wird stressbedingtes Adrenalin abgebaut.

Als mögliche Treffpunkte kommen entsprechende Seminarhäuser, öffentliche Grillplätze, Waldgaststätten, etc. in Frage.

3. Gemeinsames virtuelles Frühstück

Wenn es gar nicht möglich oder gewünscht ist, sich persönlich zu treffen, kann ein  virtuelles Treffen ohne geschäftliche Thematik eine Möglichkeit sein, den Zusammenhalt im Team zu fördern. Dies kann zum Beispiel ein monatliches,  Frühstück oder der Geburtstag einer Mitarbeiter*in sein. Hier steht der private Austausch im Vordergrund, z.B. die Präferenzen beim Frühstück, der anstehende private Feier, das neueste Gerücht, etc. Egal was, Hauptsache es kann dabei gemeinsam gelacht werden.

4. Erfolge feiern

Wie feiert man während Corona das erreichte Projektziel? Auch wenn in der aktuellen Situation ggf. nicht alle Ziele erreicht wurden, der Einsatz und die Leistung aller Beteiligten ist doch enorm und sollte entsprechend gewürdigt werden. Hier kann man z.B. virtuell gemeinsam kochen oder eine Weinprobe durchführen. Aber bitte bedenken: Nicht jeder möchte seinen Kolleg*innen unbedingt sein Wohnzimmer oder seine Küche zeigen. Der Wunsch nach der Privatsphäre gilt es unbedingt bei der Planung zu berücksichtigen. Wenn das Team nicht zu groß ist, ist auch ein Outdoor-Event, z.B. Bogenschießen oder Geo-Caching, möglich. Hier können bei Teams bis zu 20 Mitarbeitern sehr gut die Abstandsregelungen eingehalten werden.

5. Neue Mitarbeiter ins Team integrieren

Der Wechsel des Arbeitsplatzes in der aktuellen Situation stellt besondere Herausforderungen für das Unternehmen und die Mitarbeiter*in dar. In dieser Phase ist eine persönliche Unterstützung besonders wichtig, da sowohl ein intensiver, fachlicher Austausch erfolgen als auch Vertrauen und Sympathien zu den anderen Kolleg*innen aufgebaut werden sollte.  Je schneller ein neues Teammitglied sich im Team aufgenommen fühlt, je besser wird eine erfolgreiche Integration gelingen. Hier bieten sich z.B. kurze, persönliche Video-Grußbotschaften der einzelnen Teammitglieder an, in denen man sich gegenseitig persönlich vorstellt. Welche Hobbies habe ich, was macht mir Freude, warum freue ich mich, dass die Kolleg*in ins Team kommt, usw. Auch eine Begleitung durch einen „Teampaten“ während der Eingliederungsphase kann hier die soziale Integration erleichtern.

Einfach machen

Mit etwas Kreativität lassen sich sicher noch weitere Beispiele finden, wie trotz Home-Office und berechtigten Hygienekonzepten im Unternehmen der Teamspirit auch mit kleinen Budgets gefördert werden kann. Es müssen nicht immer die großen Events sein, auch kleine Gesten und Rituale im Alltag unterstützen. Beziehen Sie ihr Team bei der Ideenfindung und Ausgestaltung mit ein. Oftmals entstehen hierbei die besten Ideen.